Odontathon 2024 – Dr. Tobias Gantner und Sören Clamors im Gespräch
Dr. Gantner und Sören Clamors trafen sich am Ort des Geschehens – dem Signal Iduna Park in Dortmund. Dort sprachen die beiden über die Herausforderungen des demografischen Wandels und wie mobile Innovationen hier die Lösung sein könnten. Außerdem gibt uns Sören Clamors Einblicke in die Entwicklung und Resonanz seines mobilen Behandlungszimmers.
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Als erstes habe ich im Keller die Größe abgeklebt, die mir vorschwebt und bin mit dem Rollstuhl rumgefahren und habe geguckt, wie viel Platz brauche ich überhaupt.
Mein Name ist Tobias Gantner. Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Healthcare Futurists. Wir sind Mitveranstalter mit der BFS, um zum zweiten Mal den Odontathon durchzuführen. Wir sind heute am Westfalenstadion, Signal Iduna Park, dort, wo auch der Odontathon Anfang April 2024 stattfinden wird.
Und heute haben wir ein ganz besonderes Schmankerl mit dabei, nämlich jemanden, den ich eigentlich als Dent-repreneur bezeichnen würde. Also einen Zahnarzt, der auch ein Erfinder, ein Entwickler ist und der nicht nur redet, sondern der auch macht. Und das, was er macht, das sehen wir hier. Ich freue mich, dass ich den Sören Clamors hier bei mir habe. Einer von zwei Brüdern, die gemeinsam eine Zahnarztpraxis, eine Zahnarztdynastie gewissermaßen betreiben. Euer Opa war auch schon Zahnarzt und die auf dem Land unterwegs sind und eine Versorgungslücke entdeckt haben, die sie gefüllt haben.
Und womit sie das gefüllt haben, das seht ihr hier. Das ist dieses Auto. Und Sören, stell dich doch mal kurz vor, wer du bist, was du machst.
Ich bin Sören Clamors. Ich bin in der dritten Generation Zahnarzt. Unser Großvater hat sich 1938 hier in Blomberg niedergelassen und besuchte seit 1959 das ortsansässige Kreis Altenheim. Unser Vater hat das auf drei Altenheime erweitert. Und mein Bruder und ich betreuen jetzt, seitdem wir dieses Fahrzeug haben, nicht mehr nur drei Altenheime, sondern 15 Altenheime.
Wir haben gesehen, dass die Betreuung der Altenheime so ein bisschen stiefmütterlich betrieben worden ist. Nachdem wir den Markt leer gekauft haben von allem Equipment für die aufsuchende Tätigkeit, waren wir ein bisschen unglücklich, weil eben die Qualität unserer Arbeit nicht deutlich besser geworden ist. Und dann haben wir gesagt, jetzt müssen wir uns mal darum kümmern, dass wir eben bei einer besseren Honorierung durch die Kooperationsverträge auch einen besseren Service machen.
Und das Ergebnis steht dort. Das heißt, ihr hattet diese Idee, wir nehmen einen Fiat Ducato und bauen da einen Kasten drauf. Und in diesem Kasten, wie bei einem Rettungswagen, bauen wir eine Zahnarztpraxis. Was habt ihr da drin in eurer mobilen Zahnarztpraxis?
Also eigentlich ist es nur ein Behandlungszimmer mit einer Röntgeneinheit, weil wir dürfen nicht als Zahnarztpraxis unterwegs sein, sondern nur tätig sein. Wir haben alles, was wir auch bei uns im Behandlungszimmer haben, also eine Dentaleinheit mit druckluftbetriebenen Schläuchen, Mikromotoren. Wir haben Röntgenstrahler, Röntgentubus für Zahnfilmaufnahmen. Und wir haben einen Computer, der über den VPN-Tunnel mit dem Praxisnetzwerk in Verbindung steht, um eine Echtzeit-Patientendokumentation zu haben.
Und ihr fahrt mit dieser mobilen Einheit dann raus zu Altenheimen, zu Pflegeheimen. Da habt ihr vorhin Termine vereinbart, dass ihr kommt. Und dann werden die Leute entsprechend vorbereitet und die kommen dann zu euch rein. Die werden auf dem Rollstuhl reintransportiert und dort findet dann die entsprechende Behandlung statt. Wie läuft das im Detail ab?
Also wir fahren nicht nur Altenheime an, sondern auch Personen, die zu Hause gepflegt werden. Klar, es ist gesagt, an dem Tag kommen wir an. Wir sind vier Tage die Woche unterwegs. Wir stellen das Fahrzeug vor dem Haupteingang ab. Egal, ob es jetzt eine Person ist oder mehrere Personen, die wir behandeln. Wir fahren die Stützen auf, dass das Fahrzeug in der Horizontalen steht und erschütterungsfrei steht. Hinten wird dann eine Heckklappe geöffnet und eine Rollstuhlrampe ausgeklappt. Und nach zwei Minuten ist das Fahrzeug einsatzbereit, um dann eben über die Rollstuhlrampe den Patienten entweder in seinen eigenen Rollstuhl reinzufahren. Oder, wenn er mit dem Rollator noch unterwegs ist oder mit der Stütze, setzt er sich in unseren Rollstuhl.
Wie wird das angenommen? Ihr habt drei Pflegeheime, vier Pflegeheime. Habt ihr eine Warteliste von Pflegeheimen, die sagen, wollen wir auch?
Ja, also das Feedback ist unheimlich gut, weil für den Patienten fällt der Krankentransport weg, der für ihn sehr unangenehm ist aufgrund der unzureichenden Federung der Krankentransportfahrzeuge. Die Altenheime sind glücklich, weil sie keine Begleitpersonen mehr zur Verfügung stellen müssen, wenn ein Patient in der Zahnarztpraxis ist. Und die Patienten fühlen sich wohl, weil eben sie endlich wieder wahrgenommen werden, weil sie häufig ein paar Jahre in Vergessenheit geraten worden sind und nicht mehr beim Zahnarzt waren. Und dass eben von Zahnschmerzen, von denen sie befreit werden oder auch einfache Reinigung, dass sie wieder einen besseren Geschmack haben, ist das Feedback durchweg positiv.
Jetzt gibt es ja die Musterberufsordnung für Ärzte. Da steht ja drin, das kommt ja noch aus dem Mittelalter, der Arztberuf ist kein fahrender Beruf. Wir vagabondieren nicht, wir Ärzte. Jetzt vagabondiert ihr ja doch irgendwie so ein bisschen. Wenn ihr bei der Kammer anruft, geht da noch jemand ran?
Ja, die Kammer ist ganz glücklich mit uns. Wir arbeiten da sehr eng zusammen. Wir haben im Vorfeld geklärt, wie das mit den hygienischen Konzepten aussieht, dass wir da kein Problem haben. Und da wir hier in nichts nachstehen, was die Hygienepraxis angeht, haben wir da alle Unwirksamkeiten aus dem Weg geräumt. Ich fahre drei Tage mit dem Fahrzeug und behandle pro Tag 20 Patienten. So komme ich pro Woche auf 60 Patienten während der fahrenden Tätigkeit. Ich bin Montags und Freitags in der Praxis noch tätig. Da behandle ich bis zu 40 Patienten, sodass ich mehr Patienten in der Praxis behandle, als wenn ich unterwegs bin. Außerdem muss die Aufbereitung der sterilisierenden Instrumente in dem Fahrzeug nicht stattfinden. Dafür braucht man einen ordentlichen Stegel und der steht in der Praxis.
Selbst gebaut. Also Zahnärzte und Chirurgen, wir basteln ja gerne, wir bauen das ja auch. Wie ist denn so die Geschichte? Ihr seid ja nicht an die Messe gegangen und gesagt, den hätten wir gern, zweimal, liefer das da und da an, sondern da steckt ja Entwicklungsarbeit drin. Kannst du das mal erzählen?
Also als erstes habe ich im Keller die Größe abgeklebt, die mir vorschwebt und habe auf die Eckpunkte Plastikkegel vom Kinderkegel gestellt und bin mit dem Rollstuhl rumgefahren und habe geguckt, wie viel Platz brauche ich überhaupt? Und als ich das Konzept dann fertig auf Papier gezeichnet hatte, bin ich zum Multitrailer, das ist ein ortsansässiger Foodtruckhersteller, habe ihm mein Konzept vorgestellt und gesagt, komm, schmeiß mal eine Fritteuse raus und baue mal einen Zahnarztstuhl rein. Und nachdem er sich das eine Minute angeguckt hat, meinte er so, okay, das probieren wir mal aus. Und dann hat das ein halbes, dreiviertel Jahr gedauert und dann war das Fahrzeug auf einmal da.
Und dann waren wir uns nicht sicher, wie fangen wir jetzt mit dem ersten Behandeln an? Und da habe ich gesagt, komm, wir fahren gleich vor das Altenheim und probieren es aus. Entweder fahren wir nach fünf Minuten wieder weg, weil es nicht funktioniert, oder aber wir behandeln die ersten zehn Patienten und haben schmutziges Grinsen im Gesicht. Und das ist seitdem nicht weniger geworden. Und es hat ja funktioniert und das ist ja Nummer eins und Nummer zwei gibt es auch schon.
Ja. Und ihr leitet die auch aus. Das heißt also, wenn Kolleginnen und Kollegen das jetzt sehen und sagen, finden wir es spannend, interessant, ich weiß nicht, ob das bei uns funktioniert, würden wir gerne mal ausprobieren, dann wenden die sich an euch, oder?
Genau, dann können sie sich an uns wenden. Entweder fahren sie mit uns mit, dass sie mal sehen, wie läuft so ein Behandlungstag ab. Ist das ein Konzept, was ich mir selber überlegen kann? Und wenn sie dann Interesse haben, dann können sie sich eins der Fahrzeuge ausleihen, dass sie selber Erfahrung sammeln und wenn sie dann sagen, okay, das gefällt mir, ich hätte aber gerne die und die Veränderung, ein bisschen weniger weiß, ein bisschen mehr Farbe, dann kann man sich das beim Multitrailer herstellen lassen, das Fahrzeug.
Und dann eben mit den individuellen Änderungen, dass wir dann eben diesen Versorgungsengpass deutschlandweit hoffentlich irgendwann mal ausgeglichen haben. Das ist ja auch so ein bisschen euer Traum, oder?
Also so diese Idee, dass jetzt die Kassenzahlen jetzt den Vereinigungen mit ihrem Sicherstellungsauftrag irgendwie da drauf kommen und sagen, Mensch, spannend, was die Brüder Clamors da gemacht haben und vielleicht andere auch. Die haben einen Proof of Concept da gebracht, einen Beweis, funktioniert, kann man machen. Wir bauen das jetzt und wir haben gewissermaßen eine Flotte, die dann da entsprechend über die Lande fährt.
Das wäre ideal, ja, weil ein Zahnarzt alleine muss halt seine Praxis dahin umorganisieren. Wir haben halt das Glück, dass wir ausreichend Zahnärzte sind, dass ich da halt die Zeiten und die Kapazitäten habe. Wenn die Standesvertretung die Organisation übernimmt, dann sinkt natürlich auch die Hemmnis des Kollegen oder der Kollegin, sich einmal die Woche in so ein Fahrzeug reinzusetzen und die Bedürfnissen zu versorgen.
Aber genau für sowas ist ja auch unser Odontathon da. Unser Odontathon wendet sich ja an Menschen, die Lust auf Innovation haben im Bereich der Dentalbranche, die kluge Leute treffen wollen, die innovative Leute treffen wollen, die ihren Worten auch Taten folgen lassen. Und wir haben ja bestimmte Themen, die wir auch bespielen. Und zwei davon habt ihr ja auch gewissermaßen hier inkorporiert.
Das eine ist halt der demografische Wandel. Ja, die Leute werden älter, werden bedürftiger, brauchen mehr Fürsorge. Da müssen wir hinkommen. Das andere, die andere Seite des demografischen Wandels ist natürlich, wie gehen wir mit Fachpersonal um? Ja, wie gewinnen wir Fachpersonal? Wie stellen wir uns auf, wenn wir auf dem Land eine Praxis eröffnen? Was sind da Ertragsmöglichkeiten? Das zeigt er ja auch.
Und dann natürlich auch das Thema der aufsuchenden Zahnheilkunde. Das heißt, wie versorgen wir eigentlich eine neue Art von Patienten, die gar nicht mehr in der Lage sind, zu uns in die Praxis zu kommen? Ja, das ist halt, wenn zum Beispiel ein Kollege ortsansässig ist und seine Praxis erweitern möchte, dann muss er viel Geld in die Hand nehmen, wenn er einen zweiten Kollegen einstellen möchte.
Da könnte man natürlich überlegen, in das Fahrzeug zu investieren und dann eben im abwechselnden System damit durch die Gegend zu fahren. Man braucht einen Arzt, eine Ärztin und eine zahnmedizinische Fachkraft, um das Fahrzeug zu betreiben.
Die Organisation läuft über die Rezeption und die Möglichkeiten liegen beim Behandler, also die Grenzen liegen beim Behandler. Das Fahrzeug macht alles mit.
Also ich freue mich ganz besonders sehr, dass wir heute hier zusammengekommen sind. Vor allem, dass wir unsere beiden Autos da haben. Also wir haben euren Zahnarztwagen da, wir haben hier unser Healthcare-Maker-Mobil da. Das ist so ein bisschen wie ein Schnauze-an-Schnauze-Treffen von innovativen Welten hier in der Zahnheilkunde, wir im grundsätzlichen Healthcare-Bereich.
Wenn ihr Interesse daran habt, mit klugen Leuten tolle Ideen umzusetzen, in spannenden Bereichen wie demografischer Wandel, aufsuchende Zahnheilkunde, Personalkräftemangel oder Übernahme und Aufbau von Zahnarztpraxen, dann ist der Odontathon genau der richtige Ort, the place to be.
Wir werden genau hier sein, Signal Iduna Arena hinter uns, ist auch das Logo des Odontathons sichtbar. Wir werden hier tolle Räumlichkeiten haben, ein super Rahmenprogramm. Wir werden hier spannende Ereignisse erleben, tolle Leute da haben aus verschiedenen Bereichen, die diese und mehr Punkte, die ich gerade erwähnt habe, auch bespielen können.
Und euer Mobil wird da sein, man kann also reinschauen, man kann es sich anschauen, live miterleben. Unser Mobil wird da sein, wir haben da unser FabLab drin, wo Technologie drin ist, die wir auch benutzen in dem Hackathon, in dem Odontathon.
Wir freuen uns auf euch. Toi, toi, toi. Danke, dass ihr zugeguckt habt. Bis bald. Vielen Dank. Gerne. Vieler, vieler Dank.